Die 1995 erschienene 1815 war eine „einfache Uhr“, die für den Durchschnittsnutzer und nicht für Uhrenliebhaber konzipiert wurde. Dennoch ist die 1815 ein sehr interessantes Beispiel für die Zukunft von A. Lange & Söhne und der deutschen Luxusuhrenindustrie. Auf den ersten Blick scheint die 1815 seit ihrer Markteinführung unverändert. Tatsächlich hat sie sich jedoch in den letzten 20 Jahren grundlegend gewandelt.

[Seriennummer 26 / Erstveröffentlichung in der Septemberausgabe 2015 von Chronos Japan]
1815 [Ref.206.032]
Das erste Standardmodell mit transparenter Rückseite

Erstmals 1995 erschienen. Dies ist die erste schlichte Dreizeigeruhr von A. Lange & Söhne. Sie ist mit dem runden Kaliber der Serie L941 ausgestattet. Handaufzug. 21 Steine. 21.600 Halbschwingungen pro Stunde. Gangreserve ca. 45 Stunden. 18 KPG (Durchmesser 35.6 mm). Wasserdicht bis 30 Meter. Referenzmodell. Kollektion von A. Lange & Söhne.
Günter Blümlein, der die Wiederbelebung von A. Lange & Söhne vorantrieb, hatte bei der Neuausrichtung der Marke Patek Philippe offenbar Patek Philippe im Sinn. Da er im Jahr 2000 verstarb, kann ich dies nicht bestätigen. Einige Beteiligte berichten jedoch, dass er einen anderen Ansatz als Patek Philippe verfolgte.
Dies veranschaulichen die vier Modelle, die 1994 erstmals auf den Markt kamen: die Lange 1, das Tourbillon „Pour le Mérite“, die Saxonia und die Arcade. Interessanterweise verfügt keines dieser Modelle über ein einfaches Dreizeiger-Uhrwerk, ein Merkmal, das für jeden Uhrenhersteller unerlässlich ist. Möglicherweise verzichtete Blümlein bewusst auf das Modell der „normalen Uhr“, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen.
Er verstand jedoch, dass Differenzierung allein keinen großen Erfolg bringen würde. Tatsächlich sagte Blümlein 97 in einem Interview mit der Zeitschrift Uhren Austria:
„Die elegante ‚Bankeruhr‘ mit kleiner Sekunde bei 6 Uhr hat eine Zukunft.“
Die von ihm beschriebene elegante Bankeruhr war das Modell „1815“ aus dem Jahr 95. Sie wurde vom runden Uhrwerk L941.1 angetrieben. Außerdem wurde der Gehäuseboden endlich durch einen transparenten ersetzt (die ersten Modelle hatten einen massiven Boden), sodass der Uhrmacher das exzellente Uhrwerk bewundern konnte. Erst danach begann A. Lange & Söhne, seine Uhrwerke öffentlich auszustellen.
Obwohl diese dreizeigige Handaufzugsuhr nicht so viel Aufmerksamkeit erregte wie die Lange 1 oder der Datograph, sollte die 1815 zum „Brot und Butter“ von A. Lange & Söhne werden und sich zu einer bedeutenden Kollektion entwickeln, die die Grundlage des Unternehmens bildete.

