Spricht man über die Geschichte von Glashütte, dem Zentrum der deutschen Uhrenindustrie, so ist ein Name unverzichtbar: der Uhrmacher Karl Moritz Grossmann aus dem 19. Jahrhundert. Als einer der Begründer der sächsischen Uhrenindustrie spielte er eine entscheidende Rolle bei der Gründung einer Uhrmacherschule und engagierte sich auch nach dem Ende seiner Laufbahn als Uhrmacher und Lehrer weiterhin für das Gemeinwohl. Wir stellen Ihnen sein Leben vor.
Text von Sabine Zwettler
Artikel veröffentlicht am 9. Juli 2023
Karl Moritz Grossmann, leidenschaftlicher Uhrmacher und Philanthrop

Karl Moritz Grossmann wurde am 27. März 1826 in Dresden, Königreich Sachsen (heute Deutschland), geboren. Sein Vater war Postsortierer bei der Dresdner Hofpost, und Moritz wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Aufgrund seiner hervorragenden schulischen Leistungen erhielt er jedoch ein Stipendium und studierte, wie Ferdinand Adolph Lange, der Gründer von A. Lange & Söhne, zwei Jahre lang an der Technischen Schule (der Vorläuferin der heutigen Technischen Universität).
1942 begann Grossmann seine Uhrmacherlehre bei Gottfried Friedrich Kumme in Dresden. Dort wurde sein Talent erkannt und er durfte die Lehre vorzeitig abschließen. Während der Lehrzeit lernte er Englisch, Französisch und Italienisch und freundete sich mit Ferdinand Adolph Lange an, der elf Jahre älter war als er. Beide waren ehrgeizig und hatten große Visionen. Grossmann träumte von einer „einfachen, aber mechanisch perfekten Uhr“.

47 besuchte er Moritz Kriele in Altona (heute westlich von Hamburg), den ersten Chronometermacher Dresdens, und anschließend Joseph Bierganz in München. Kurz darauf zog er nach La Chaux-de-Fonds, dem Zentrum der Schweizer Uhrenindustrie, und bereiste England, Frankreich, Dänemark und Schweden.
Nach seiner Rückkehr nach Dresden im Jahr 54 wurde Grossmann bald von Ferdinand Adolph Lange ins 30 Kilometer entfernte Glashütte eingeladen. Dort gründete er mit staatlicher Unterstützung die Uhrenmanufaktur Moritz Grossmann. Er fertigte Werkzeuge, Drehmaschinen, Präzisionsmessgeräte und andere Ausrüstungen sowie hochwertige Taschenuhren, Präzisionspendeluhren und Marinechronometer. Zudem holte er gleichgesinnte Uhrmacher wie Ludwig Strasser und Karl Maukusch nach Glashütte, wodurch er mehr Zeit für andere Tätigkeiten hatte.
Grossman hielt mitreißende Vorträge, veröffentlichte Artikel in Fachzeitschriften im In- und Ausland und übersetzte Fachbücher wie das Lehrbuch der Uhrmacherei, die gesammelten Werke des französischen Uhrmachers Claudius Saulnier. 66 gewann er als erster Deutscher den ersten Preis in einem Wettbewerb der Royal Horological Society für seinen Aufsatz „Die freie Ankerhemmung“.
Er engagierte sich auch gesellschaftlich, gründete eine Freiwillige Feuerwehr aus Turnern und den Militärverein Glashütte und setzte sich für den Bau der Mücklitztalbahn ein. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1971 erneut und hatte drei Kinder. 1976 wurde er in den Sächsischen Landtag gewählt. 1978 leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Gründung der Deutschen Uhrmacherschule und unterrichtete selbst Mathematik und verschiedene Sprachen.
Am 23. Januar 1885 hielt Grossmann in Leipzig einen Vortrag zum Thema „Die Einführung der Weltzeit“, inmitten einer Zeit rasanter Internationalisierung und zunehmender Mobilität. Kurz nach dem Vortrag starb er jedoch unerwartet, kurz vor seinem 60. Geburtstag, genau wie sein Freund Ferdinand Adolph Lange. Sein plötzlicher Tod führte zur Auflösung der Werkstatt.

Heute lebt der Name dieses großen Uhrenherstellers als Marke Moritz Grossmann weiter. Das Unternehmen wurde von Christine Hutter gegründet, einer der wenigen weiblichen Geschäftsführerinnen in der Uhrenindustrie. Hutter, selbst Uhrmacherin, gründete 2008 mit Unterstützung einer Gruppe Schweizer Investoren die Grossmann Uhren GmbH.
Unter fachkundiger Anleitung werden hochwertige Saxon-Uhren entworfen und fertiggestellt, die eine moderne Interpretation der deutschen Uhrmachergeschichte darstellen und einem Mann Tribut zollen, der sein Leben Glashütte und der Uhrenindustrie gewidmet hat.

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