Die Royal Oak gilt als besonders selten. Trotz ihrer enormen Beliebtheit hat Audemars Piguet seine Unternehmensphilosophie jedoch nicht verändert. Dies beweist die Umstellung auf die Eigenproduktion seit dem Jahr 2000. Neben dem Uhrwerk fertigt das Unternehmen auch Gehäuse und Armband selbst. Während viele Hersteller den Fokus auf Qualität legen, setzt Audemars Piguet stattdessen auf ein harmonisches Gesamtbild der Uhr. Dieses Modell ist der Höhepunkt dieser Bemühungen.

Interview und Text von Masayuki Hirota (Chronos-Japan)
Herausgegeben von Yukiya Suzuki (Chronos-Japan)
[Artikel erschienen in der Septemberausgabe 2022 von Kronos Japan]
Das Ziel der Umwandlung in einen Hersteller bestand darin, Ästhetik zu verfolgen, anstatt die Qualität zu verbessern.

In den 2000er-Jahren begann Audemars Piguet, zunächst die Uhrwerke und später auch die Gehäuse selbst zu fertigen. Dies verfolgte zwei Ziele. Das erste war, selbstverständlich, die Qualitätsverbesserung. Am Beispiel der Royal Oak lässt sich zeigen, dass sich die Qualität von Gehäuse und Armband im Vergleich zu Modellen von vor wenigen Jahren deutlich verbessert hat.
Die Verbesserung der Qualität war jedoch nicht das oberste Ziel. Audemars Piguet verfolgte das Ziel, durch die Eigenfertigung der Uhr ein Gefühl der Einheit zu schaffen. Anders ausgedrückt: eine Uhr zu kreieren, bei der Uhrwerk und Gehäuse perfekt miteinander verbunden sind.
Dies ist wohl der größte Unterschied zwischen Audemars Piguet und anderen Herstellern. Das Unternehmen strebt seit Langem nach einer harmonischen Verbindung von Innen- und Außendesign seiner Uhren. Ein Beispiel dafür ist die Skelettuhr. Ein ultraflaches Uhrwerk wird so flach wie möglich gefertigt und mit einem schlichten Gehäuse kombiniert. Viele Hersteller haben versucht, Skelettuhren zu produzieren, doch die Einheitlichkeit von Innen- und Außendesign hebt die Produkte des Unternehmens deutlich hervor. Übrigens produzierte auch Julio Papi, Gründer von Renaud & Papi (heute Audemars Piguet Le Locle), zunächst Skelettuhren. Möglicherweise erkannte das Unternehmen durch die Herstellung von Skelettuhren die Bedeutung der Abstimmung von Innen- und Außendesign.
Nach dem Erfolg des Uhrwerks war es nur folgerichtig, dass das Unternehmen anschließend auch Gehäuse und Armbänder selbst fertigen würde. Ein Paradebeispiel für diese Verschmelzung ist die Skelettuhr. Die Royal Oak Double Balance Wheel Openwork ist ein Modell mit einer doppelt gestapelten Unruh, die auf der Zifferblattseite sichtbar ist. Um die einzigartige doppelt gestapelte Unruh hervorzuheben, wurde der Bereich um die Unruh bewusst skelettiert und der Unruhkloben aus Gold gefertigt. Auch Zeiger und Indizes sind aus Gold, wodurch eine harmonische Verbindung zwischen dem kantigen Äußeren der Royal Oak und dem runden, hohlen Uhrwerk entsteht.
Die Royal Oak Concept Flying Tourbillon GMT wendet diese Technik auf eine äußerst vielseitige Komplikationsuhr an. Die Farben für Innen- und Außenseite – Grau, Burgunderrot und Gold – sind identisch und unterstreichen die Qualität der hauseigenen Fertigung von Gehäuse und Uhrwerk. Auch das symmetrische Design, das bereits beim CODE 11.59 by Audemars Piguet Flying Tourbillon Chronograph so erfolgreich war, findet sich in diesem Modell wieder. Betrachtet man jedoch die Zifferblattseite, geht das Design über die reine Symmetrie hinaus; die Unruh bei 9 Uhr wird besonders hervorgehoben. Das kantige Design und die Verarbeitung des Uhrwerks harmonieren mit dem Äußeren der Concept, dessen markante Kanten die Gesamtmasse der Uhr zusätzlich betonen.

Dies ist ein verfeinertes fliegendes Tourbillon mit 24-Stunden-GMT-Anzeige. Die Einheitlichkeit der Uhr wird durch die harmonische Formgebung und Farbgebung sowie den Verzicht auf störende Elemente zusätzlich unterstrichen. Sie stellt zudem den Höhepunkt der seit dem Jahr 2000 geleisteten Entwicklungsarbeit im eigenen Haus dar. Die leichtgängige Krone und das sanft gerundete Gehäuse sorgen für ein unvergleichliches Tragegefühl. Handaufzug (Kal. 2954). 24 Steine. 21.600 Halbschwingungen pro Stunde. Gangreserve von ca. 237 Stunden. Titan (Durchmesser 44 mm, Dicke 16.1 mm). Wasserdicht bis 100 m. Marktpreis.
Die Liebe zum Detail wird beim Blick auf den Gehäuseboden noch deutlicher. Zwei Federhäuser, die für eine lange Gangreserve sorgen, sind symmetrisch übereinander angeordnet und werden von einer geometrisch ausgehöhlten Grundplatte getragen. Zusätzlich wurde eine Abdeckung angebracht, die den Tourbillonkäfig verbirgt. Bei früheren Modellen war der Käfig sichtbar, um die Wartung zu erleichtern und den komplexen Mechanismus hervorzuheben. Dieses Modell hingegen verfügt über eine Abdeckung auf der Rückseite, die den Käfig verdeckt. Auch diese Abdeckung ist bordeauxrot. Wie bei den jüngsten komplizierten Uhren des Unternehmens wurden alle potenziell ablenkenden Elemente sorgfältig aus dem Design entfernt. Es überrascht daher nicht, dass sich das Unternehmen für dieselbe Technik entschieden hat, jedoch mit einer durchbrochenen, „undurchsichtigen“ Konstruktion, die keine unnötigen Elemente verbirgt, anstatt einer skelettierten.
Viele Hersteller experimentieren derzeit mit der Integration von Innen- und Außendesign ihrer Uhren, und so manches hat beeindruckende Verpackungen hervorgebracht. Mir ist jedoch noch kein Modell bekannt, das so erfolgreich ist wie die Royal Oak Concept Flying Tourbillon GMT. Audemars Piguets Umstellung auf die hauseigene Fertigung von Innen- und Außendesign hat sich auf überraschende Weise ausgezahlt.
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