Breguet Transzendental Doppeltourbillon

2020.12.06

Breguets Classique Double Tourbillon 5347, die 2006 auf den Markt kam, war ein Meisterwerk, das die gängigen Vorstellungen von Tourbillons revolutionierte. 14 Jahre später präsentierte Breguet die Quai de l'Horloge, ein Modell ohne Zifferblatt. Das Uhrwerk, ausgestattet mit zwei Ein-Minuten-Tourbillons, dreht sich einmal alle 12 Stunden. Sein Design und die herausragende Verarbeitung machen es zu einem Meilenstein der modernen Tourbillon-Technik.

Klassisches Doppeltourbillon 5345 „Quai de l'Horloge“

Fotografien von Eiichi Okuyama
Interview und Text von Masayuki Hirota (Chronos-Japan)
Veröffentlicht in der Januar-Ausgabe, die im Dezember 2020 erschien.

Das Geheimnis des Breguet Doppel-Tourbillons
Das Rätsel wird sich nach dem Ansehen des Films lösen...

 Die „Classique Double Tourbillon“ von Breguet lässt eine Platine mit zwei jeweils einminütigen Tourbillons alle zwölf Stunden rotieren. Das 2006 vorgestellte Modell repräsentierte den Höhepunkt moderner Tourbillon-Technologie, da es eine so schwere Konstruktion in Rotation versetzen konnte. Ohne einen erfahrenen Designer, präzise gefertigte Komponenten und einen herausragenden Uhrmacher wäre die reibungslose Rotation eines so schweren, rotierenden Körpers unmöglich gewesen.

 Wenn das Doppeltourbillon jedoch vom Zifferblatt verdeckt wird, ist der Mechanismus nicht sichtbar. Daher entschied sich Breguet, das Zifferblatt zu entfernen. Das Ergebnis ist die „Classique Double Tourbillon 5345 „Quai de l’Horloge“, die 2020 auf den Markt kam. Bei diesem Modell ist nicht nur das Uhrwerk sichtbar, sondern einige Teile sind skelettiert, und die Platine, die sich einmal alle 12 Stunden dreht, besteht nun aus 18-karätigem Gold.

Klassisches Doppeltourbillon 5347

Das Doppeltourbillon-Uhrwerk, das sich einmal alle zwölf Stunden dreht, ist alles andere als flach. Breguet ließ die Uhr durch die dreidimensionale Gestaltung des Saphirglases schlanker wirken. Wie das Foto zeigt, ragen die beiden Tourbillons und die sie tragende Brücke, die gleichzeitig als Stundenzeiger dient, seitlich aus dem Gehäuse hervor. Wie es sich für ein Flaggschiffmodell gehört, ist die Gehäuseverarbeitung makellos.

 Das Design wurde ebenfalls überarbeitet. Die Lünette ist schmaler geworden und das gewölbte Saphirglas wirkt plastischer, wodurch der klassische Stil betont wird. Auf der Rückseite des Uhrwerks befindet sich zudem eine Gravur des Quai de l'Horloge in Paris, wo Abraham-Louis Breguet seine Werkstatt gründete.

 Die beiden Tourbillons rotieren einmal alle zwölf Stunden und dienen als Stundenzeiger. Dass dieser Mechanismus, dessen Bedienung als schwierig galt, so gut funktioniert, liegt an seiner ausgeklügelten Konstruktion. Beim Drehen der Krone wird die in den beiden Federhäusern befindliche Zugfeder aufgezogen, welche dann über ihre jeweiligen Räderwerke die beiden Tourbillons in Rotation versetzt. Das Drehmoment wird über ein von den beiden Räderwerken getrenntes System abgeleitet und auf ein Differenzialgetriebe in der Mitte des Uhrwerks übertragen. Dieses Differenzialgetriebe ist an der Hauptplatine befestigt, und die Platine mit den beiden Tourbillons rotiert einmal alle zwölf Stunden um das Differenzialgetriebe.

 Ursprünglich erwog Breguet eine Konstruktion, bei der das Drehmoment der beiden Federhäuser auf ein Differenzialgetriebe übertragen und anschließend auf zwei Tourbillons aufgeteilt würde. Dies hätte jedoch dazu geführt, dass sich die Zeiger beim Aufziehen des Uhrwerks bewegt hätten und der Mechanismus komplexer geworden wäre. Daher entschied man sich für die aktuelle Konstruktion. Um zudem die Sicherheit zu gewährleisten, wählte Breguet für das Basiswerk einen bewährten Mechanismus. Die beiden Tourbillon-Getriebe wurden vom Classique Tourbillon 3357 übernommen. Dieses Getriebe, dessen Grundkonstruktion aus dem Jahr 1990 stammt, war bereits 2006 vollständig ausgereift.

Klassisches Doppeltourbillon 5347

Der Gründer der Marke, Abraham-Louis Breguet, eröffnete seine erste Werkstatt am Quai de l'Horloge in Paris. Die Rückseite des Uhrwerks wird in der Werkstatt von Hand graviert. Es besteht aus 18-karätigem Gold. Von der Rückseite aus ist das Zahnrad sichtbar, das den Minutenzeiger antreibt, indem es die Rotation der Platine beschleunigt, die sich einmal alle zwölf Stunden dreht. Ein Fenster in der unteren Mitte gibt den Blick auf ein Zahnrad mit einer Feder frei, die das Spiel zwischen den Zahnrädern eliminiert.

 Mit diesem Mechanismus allein wäre es jedoch unmöglich, dass sich die beiden Tourbillons einmal alle zwölf Stunden drehen. Breguet verwendete daher Kugellager auf der Achse der die beiden Tourbillons tragenden Platte. Durch die weitere Verbesserung der Präzision der Zahnradbearbeitung wurde die Rotation der Platte zudem gleichmäßiger. Doch selbst wenn die rotierende Platte als Stundenzeiger dient, wäre es keine Uhr ohne Minutenzeiger. Breguet gewann die Kraft aus der Platte, die sich einmal alle zwölf Stunden dreht, und befestigte den Minutenzeiger mithilfe mehrerer, geschwindigkeitssteigernder Zahnräder an der Mitte. Das mag zwar einfach klingen, doch je mehr Zahnräder vorhanden sind, desto größer ist das Spiel und desto wahrscheinlicher ist eine Abweichung zwischen der rotierenden Platte (die als Stundenzeiger dient) und dem Minutenzeiger. Selbst wenn die korrekte Zeigerstellung durch Drehen im Uhrzeigersinn erreicht wird, entsteht beim Drehen gegen den Uhrzeigersinn Spiel in den Zahnrädern, und der Zeiger ist weiterhin falsch ausgerichtet. Durch die Integration von Federeigenschaften in das Übersetzungsgetriebe, das das Drehmoment des rotierenden Körpers überträgt, eliminierte Breguet jegliches Spiel der Zahnräder bei Drehungen im und gegen den Uhrzeigersinn. Dadurch besteht keinerlei Abweichung zwischen der schweren Rotorplatte und dem Minutenzeiger. Selbstverständlich lässt sich der Zeiger sowohl vorwärts als auch rückwärts extrem leicht verstellen.

Diagramm des Doppel-Tourbillon-Mechanismus

Eine schematische Darstellung des Doppeltourbillon-Mechanismus, bei dem sich eine Platine mit zwei jeweils einminütigen Tourbillons einmal alle zwölf Stunden dreht. Das Räderwerk selbst ist ein umfunktioniertes Kaliber 558T, das jedoch separat vom Federhaus angetrieben wird und das Drehmoment auf ein zentrales Differenzialgetriebe verteilt. Dieses Differenzialgetriebe ist an der Grundplatine befestigt, die es trägt. Dadurch rotiert die Platine mit den beiden Tourbillons mithilfe des von den beiden Federhäusern verteilten Drehmoments um das Differenzialgetriebe. Die gleichmäßige Rotation dieser Konstruktion, die allein pro Platine 44 Gramm wiegt, ist das Ergebnis exzellenter Konstruktion und des Könnens des Uhrmachers.

 Im Vertrauen auf diesen Mechanismus wagte Breguet mit der neuen Quai de l'Horloge ein ambitioniertes Experiment: eine Grundplatte aus 18-karätigem Gold. „Als Hommage an die Marie-Antoinette-Uhr vergangener Zeiten haben wir für die Grundplatte dasselbe Gold verwendet“, erklärt Breguet. Doch die Uhr wiegt erstaunliche 44 Gramm. Während die übliche Lösung darin bestünde, das Drehmoment zu erhöhen, entschied sich Breguet dagegen, da der Widerstand von vornherein extrem gering war. Das 18-karätige Gold wurde zudem durch eine spezielle Legierung ersetzt. Diese neue Goldlegierung mit einer Vickershärte von HV330 ermöglichte es, das normalerweise weiche Gold in funktionalen Bauteilen einzusetzen.

Krone

Das Doppeltourbillon, ausgestattet mit zwei Federhäusern, verwendet eine Zugfeder, die in ein Federhaus gleitet, um ein Überdrehen der im Federhaus befindlichen Zugfeder zu verhindern. Die Krone selbst verfügt über eine eingebaute Kupplung, die bei zu starkem Aufziehen durchrutscht und so ein Überdrehen der Zugfeder verhindert. Obwohl es sich um ein äußerst komplexes Tourbillon handelt, liegt die wahre Essenz von Breguet in seiner Alltagstauglichkeit.

 Darüber hinaus ist das Uhrwerk dieses Modells von Hand veredelt. Wie ein berühmter Designer einst sagte, sollte eine Uhr idealerweise keine Veredelung erfahren, da dies das Gewicht der Teile verändern und zu ungleichmäßiger Rotation führen würde. Abgesehen von gewöhnlichen Uhren ist dieser Effekt bei einer Quai de l'Horloge, die schwere Teile rotieren lässt, noch ausgeprägter. Durch die präzise Kontrolle der Gewichtsverteilung hat Breguet jedoch die Probleme, die durch Verzierungen und Veredelungen entstehen, gelöst. Was dieses Modell so besonders macht, ist, dass sich die Platine trotz traditioneller Verzierungen wie Guillochierung perfekt dreht – eine überraschende Tatsache.

 Durch die Kombination moderner Technologie mit außergewöhnlicher Handwerkskunst ist diese Uhr nicht nur der Inbegriff von Tourbillon-Exzellenz, sondern auch der Inbegriff moderner Haute Horlogerie.

Klassisches Doppeltourbillon 5345 „Quai de l'Horloge“
Dieses Meisterwerk verfügt über zwei Tourbillons, die sich einmal alle 12 Stunden drehen. Das Uhrwerk ist vollständig von Hand gefertigt, und die Dekoration und Verarbeitung, einschließlich der präzisen Gravur, sind herausragend. Im Vergleich zum ersten Modell aus dem Jahr 2006 wurde das Design überarbeitet und ist nun klassischer, während das Armband ein modernes Design aufweist, das an geschliffene Steine ​​erinnert. Handaufzug (Kal. 588N). 81 Steine. 18.000 Halbschwingungen pro Stunde. Gangreserve von ca. 50 Stunden. Platin (Durchmesser 46 mm, Dicke 16.8 mm). Preis: 68,5 Millionen Yen (Stand: November 2020).


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