2018 präsentierte Ulysse Nardin die Freak Vision, das erste Automatikmodell der Freak-Kollektion. Das revolutionäre automatische Aufzugssystem mit Mahlwerk erregte zunächst Aufsehen, war aber nur eines der Merkmale. Die Freak Vision ist eine Uhr, die die maritime Tradition der Marke gekonnt mit innovativer Technologie verbindet.
Text von Mark Bernardo
Herausgegeben von Yuzo Takeishi

Automatischer Aufzug (Kal. UN-250). 22 Steine. 18.000 Halbschwingungen pro Stunde. 50 Stunden Gangreserve. Platin (Durchmesser 45 mm). Wasserdicht bis 30 m. 11.030.000 Yen (zzgl. MwSt.). Das Gehäuse der Freak Vision hat einen Durchmesser von 45 mm und ist aus satiniertem Platin gefertigt.
Beim ersten Anblick der gesamten Kollektion ohne jegliche Vorkenntnisse über die Marke mag Ulysse Nardin etwas uneinheitlich wirken. Doch das Unternehmen blickt auf eine lange Geschichte zurück, die eng mit dem Meer verbunden ist. Seine Rolle als Uhrenhersteller, insbesondere als führender Hersteller von Marinechronometern, reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, und es entwickelt moderne Armbanduhren, die von dieser Geschichte inspiriert sind. Andererseits hat das Unternehmen auch Uhren herausgebracht, die innovative Technologie mit avantgardistischem Design verbinden, wie beispielsweise die Freak, die bei ihrer Markteinführung im Jahr 2001 für Furore sorgte. Die 2018 erschienene Freak Vision ist ein Modell, bei dem sich Tradition und Innovation perfekt ergänzen. Ich hatte die Gelegenheit, die Freak Vision einige Wochen lang zu tragen.
In technischer und ästhetischer Hinsicht kann die Freak Vision als Weiterentwicklung der ursprünglichen Freak sowie ihrer Nachfolger, der 2015 erschienenen Freak Lab und der 2017 vorgestellten Konzeptuhr InnoVision 2, betrachtet werden. Die in diesen Modellen eingesetzte experimentelle Technologie führte zur Entwicklung des Automatikwerks UN-250, das mittlerweile kommerziell erhältlich ist.

Passend zum maritimen Thema der Marke beginnen wir mit dem Gehäuse. Es ist aus satiniertem Platin gefertigt und misst 45 mm im Durchmesser. Neben dem neuen, schlanken Design ist es dank des flachen, kastenförmigen Saphirglases auch dünner als Vorgängermodelle. Marineblaue Gummieinsätze an den Gehäuseseiten verleihen der Uhr eine maritime Note, und auf der linken Gehäuseseite befindet sich eine Plakette mit der eingravierten Seriennummer. Besonders hervorzuheben ist, dass das kastenförmige Saphirglas die Verwendung einer titanbeschichteten, blauen Kautschuklünette ermöglicht. Wie bei den Vorgängermodellen verfügt auch diese drehbare Lünette über dreieckige, klauenartige Rillen zum Einstellen der Uhrzeit, was die Bedienbarkeit verbessert.
Die Zeitanzeige entspricht der des bestehenden Freak-Modells. Die Indizes sind auf dem Saphirglas am äußeren Rand des Zifferblatts eingraviert. Das „fliegende Karussell“-Design verzichtet auf die üblichen Stunden- und Minutenzeiger. Stattdessen rotiert das baguetteförmige Uhrwerk. Eine Brücke zeigt die Minuten an, während eine Hauptplatine mit rotierender Scheibe die Stunden anzeigt. Es ist kein Zufall, dass die Brücke, die das Zifferblatt stündlich überquert, an die Silhouette eines Schiffes erinnert.

Wenn Sie die Freak noch nicht kennen, kann es etwas verwirrend sein, die Uhr anzulegen, ohne sie aufzuziehen oder die Zeit einzustellen. Da das Zifferblatt nur angedeutete Stundenmarkierungen ohne Zeiger und ohne Krone aufweist, werden Sie wahrscheinlich zunächst nicht wissen, wie Sie die Uhr bedienen. Als Erstes sollten Sie den rechteckigen Drücker bei 6 Uhr betätigen, auf dem der Schriftzug „FREAK“ eingraviert ist.

Auch die Freak Vision verzichtet auf eine Krone (zumindest bis zum Einsteigermodell Freak X, das 2019 auf der SIHH vorgestellt wurde). Aufziehen und Zeiteinstellung erfolgen daher über die drehbaren Lünetten auf Vorder- und Rückseite. Zum Einstellen der Zeit wird der Knopf aus der gesperrten Position in Richtung Zifferblatt geklappt, um die beidseitig drehbare Lünette zu entriegeln. Die drei Krallen der Lünette bieten optimalen Halt und ermöglichen ein müheloses Drehen in jede Richtung. Beim Drehen der Lünette bewegt sich ein weißer, dreieckiger Zeiger von Index zu Index. Gleichzeitig gleitet eine bootsförmige Brücke im Uhrzeigersinn über das ozeanblaue Zifferblatt. An ihrer Spitze befindet sich ein Zeiger, der die Minuten anzeigt. Man mag es kaum glauben, aber nach kurzer Eingewöhnungszeit sind die beiden Zeiger intuitiv bedienbar und ermöglichen ein einfacheres Ablesen als bei herkömmlichen Uhren. Dies mag unter anderem an dem markanten Kontrast zwischen dem Metallmechanismus, dem weißen Zeiger und dem glänzenden blauen Zifferblatt liegen.

