Moritz Grossmann: Der Meister der Werkstatt, die die Marke kreiert

2019.12.09

Fotos von Yu Mitamura
Interview und Text von Hiroyuki Suzuki

CEO-Vorstellungsgespräch

Wie hat sich Moritz Grossmann in den rund 10 Jahren seit der Bennu-Ankündigung verändert?

Moritz Grossmann, CEO

Christine Hutter
Christine Hutter

Er begann seine Karriere als Uhrmacher bei Wempe. Nach der Auflösung des VEB (Volkskommune der DDR) verhandelte er mit seinen Verwandten, um die Marke Moritz Grossmann zu schützen, und gründete 2008 das Unternehmen.

 Die Geschichte des neuen Moritz Grossmann begann mit dem im September 2010 fertiggestellten Benu-Prototyp. Knapp zehn Jahre später konsolidiert das Unternehmen seine Kollektionen. Im Zuge dessen wird das bestehende Sortiment in zwei Linien zusammengeführt: Benu und Tefnut. Die Benu-Linie, die nach der Einführung der Atum mit Uhrwerk der zweiten Generation zwischenzeitlich nicht mehr angeboten wurde, freut sich über ihre Wiederbelebung. Die alte Atum-Serie sowie Uhren mit Datums-, GMT-, Rückblatt- und Tourbillon-Uhrwerken werden als moderne Modelle in der Benu-Linie positioniert. Ziel dieser Reintegration der Kollektionen ist die Straffung des Referenzsortiments, das im letzten Jahrzehnt stark gewachsen ist. „Moritz Grossmann ist in Europa, Nordamerika, dem Nahen Osten und Japan tätig, doch die Kundenpräferenzen variieren stark je nach Markt. Da wir keine besonders große Produktionskapazität besitzen, erhalten wir viele Sonderaufträge für jeden Markt sowie individuelle Kundenaufträge. Darüber hinaus hat sich unser Designerteam auf drei erhöht, was unsere Entwicklungsgeschwindigkeit zusätzlich beschleunigt hat.“

 Das Unternehmen fertigt rund 400 Uhren pro Jahr. Zwar ist geplant, die Produktion zukünftig auf maximal 800 bis 1000 Stück zu steigern, dieses Ziel wurde jedoch noch nicht erreicht. Anders ausgedrückt: In den letzten zehn Jahren hat sich der Trend zu kleineren, diversifizierteren Produktionsmengen verstärkt. „Wir legen größten Wert auf die hohe Qualität unserer handgefertigten Produkte und können daher die Produktionsmenge nicht plötzlich erhöhen. Im Vergleich zu vor zwei Jahren ist unsere Belegschaft jedoch stetig gewachsen. Neue Uhrmacher absolvieren zunächst eine sechs- bis achtmonatige Ausbildung in der Endbearbeitung, bevor sie in der Montage eingesetzt werden. Viele Uhrmacher unterschätzen nämlich den Zeit- und Arbeitsaufwand für die Endbearbeitung. Wenn alle über die nötigen Kenntnisse verfügen, können Fehler schnell und abteilungsübergreifend behoben werden. Bei Moritz Grossmann gibt es keine festangestellten Uhrmacher. Wir setzen auf Kompetenzverteilung, sodass jeder jede Aufgabe übernehmen kann.“

 Christine Hutter, selbst ehemalige Uhrmacherin, hört auch auf die Ideen ihrer Mitarbeiter. So wurde beispielsweise die Twist-Uhr von einem Mitarbeiter außerhalb der Entwicklungsabteilung vorgeschlagen, während die GMT-Uhr auf einer Idee eines Endkunden basiert. „Dieses Mal haben wir unsere bestehenden Kollektionen auf zwei Säulen konzentriert, planen aber, zukünftig drei Säulen zu etablieren. Die dritte Säule wird sich stilistisch völlig von unseren bisherigen Kollektionen unterscheiden, aber wir sind sicher, dass sie ein Finish aufweisen wird, das typisch für Moritz Grossmann ist. Wir gehen davon aus, sie Ihnen in den nächsten zwei bis drei Jahren präsentieren zu können.“

Schlüsselperson im Workshop

Entwicklungsabteilung

Jörn Heise
[Entwicklungsabteilung/Chefdesigner]

Jeroen Heise

Nach seiner Tätigkeit im Bereich der Bewegungsentwicklung bei Glashütte Original wurde er 2017 zweiter Chefdesigner bei Moritz Grossmann. „Da wir ein kleines Unternehmen sind, liegt der Vorteil darin, dass wir als Team und innerhalb des Unternehmens eng miteinander kommunizieren können.“
Peter Mattes
[Entwicklungsabteilung/Designer, Uhrmachermeister]

Peter Mattheis

Als Konstruktionsingenieur mit langjähriger Erfahrung in der Schweizer Uhrenindustrie, vorwiegend bei ETA, sagt er: „Die Schweizer Uhrenindustrie ist riesig. Glashütte hingegen ist klein, aber dicht gedrängt. Hier gibt es viel kreative Freiheit.“
Mike von der Burg
[Entwicklungsabteilung/Designer]

Mike von der Burg

Nach seinem Universitätsabschluss trat er in das Unternehmen ein. Er war der letzte Lehrling von Jens Schneider, dem ersten Chefdesigner der Firma. „Es ist wunderbar, dass es in diesem industrialisierten Zeitalter noch eine so handwerkliche Werkstatt gibt. Für einen Designer gibt es keine größere Herausforderung.“