Unter den Reproduktionen von Vintage-Uhren gibt es nur wenige Fliegeruhren, die so detailgetreu und originalgetreu nachgebildet sind wie diese. Longines, mit einer über hundertjährigen Geschichte, erweitert heute seine Heritage Collection. Ein Beispiel dafür ist die Longines Avigation Type A-7 1935. Wie der Name schon sagt, wurde das Originalmodell 1935 entwickelt und von amerikanischen Piloten im Zweiten Weltkrieg getragen.
Text von Mark Bernardo
Longines
„Longines Avigation Typ A-7 1935“

Erster Eindruck
Beginnen wir mit dem Zifferblattdesign. Wie viele andere Fliegeruhren aus dieser Zeit verfügt die Longines Avigation Type A-7 1935 über große, im Retro-Stil gehaltene arabische Ziffern als Stundenmarkierungen, eine Eisenbahnminuterie, Hilfszifferblätter im Taschenuhrenstil und eine Zwiebelkrone. Und wie der Name schon sagt, ist sie ein Produkt ihrer Zeit und entspricht den Präzisions- und Zeitmessstandards des US-Militärs von 1935 (die ursprüngliche US Air Force wurde gegründet, bevor sie 1947 zu einer eigenständigen Teilstreitkraft wurde).
Diese Spezifikationen galten für alle Uhren mit der Bezeichnung „Typ A-7“ und erforderten neben höchster Genauigkeit auch Robustheit und gute Ablesbarkeit im Cockpit während des Flugbetriebs. Das Zifferblatt war um 40 Grad nach rechts geneigt, sodass Piloten die Zeit auch über dicken Handschuhen schnell und einfach ablesen konnten, ohne die Hände vom Steuerknüppel zu nehmen. Der Begriff „Aviation“ setzt sich übrigens aus „Aviation“ (Luftfahrt) und „Navigation“ zusammen.

Gehäuse und Zifferblatt
Das 41 mm große, polierte Edelstahlgehäuse schmiegt sich angenehm ans Handgelenk und an die Hemdmanschette. Die zwiebelförmige Krone und der zentrale Chronographendrücker ragen in einem markanten Winkel hervor. Das weiß lackierte Zifferblatt wird von einer Minuteneinteilung im Eisenbahnstil eingerahmt, die einen klaren Hintergrund für die großen, im Vintage-Stil gehaltenen arabischen Ziffern bildet. Diese sind honigfarben patiniert und haben die gleiche Farbe wie die beiden zentralen, gebläuten Skelettzeiger. Jedes Hilfszifferblatt ist von einer charakteristischen Eisenbahnminuterie umgeben. Der 30-Minuten-Zähler bei 12 Uhr ist so positioniert, dass er die 12-Uhr-Markierung fast vollständig verdeckt. Wie die Stundenmarkierungen des Zifferblatts sind auch die Ziffern in einer Schriftart im Vintage-Stil gehalten. Die kleine Sekunde befindet sich bei 6 Uhr. Wie die 12-Uhr-Markierung verdeckt auch sie die „6“ und verfügt über eine schmale arabische Ziffer sowie eine Datumsanzeige mit einer anderen Schriftart.

Auch die Zeiger der beiden Hilfszifferblätter unterscheiden sich: Der Chronographenzähler ist rautenförmig gebogen, der kleine Sekundenzeiger stabförmig. Die verschiedenen Ziffern sowie die Schriftzüge „LONGINES“ und „AUTOMATIC“ sind ebenfalls in unterschiedlichen Schriftarten auf dem Zifferblatt gestaltet. Meiner Meinung nach trägt dies sowohl zur harmonischen Gesamtwirkung des Designs als auch zur guten Ablesbarkeit bei.

Die dezentrale Zeitanzeige ist ein markantes Merkmal. Wie bereits erwähnt, entstand dieses Design 1935 aus einer praktischen Notwendigkeit: Die Prototypuhr musste beim Festhalten am Lenkrad ablesbar sein. Heute ist sie auch als „Fahreruhr“ bekannt, da sie sich auch beim Autofahren ablesen lässt. Wer jedoch viel zu Fuß unterwegs ist und regelmäßig die Uhrzeit ablesen möchte, muss sich erst daran gewöhnen. Die Drehung des Zifferblatts im Uhrzeigersinn (und natürlich auch des Uhrwerks selbst) kann auf den ersten Blick leicht zu Verwirrung führen, beispielsweise dazu, dass man 10:10 als 11:15 liest. Das Tragen dieser Uhr regt dazu an, eher auf die Zahlen zu achten, auf die die Zeiger zeigen, als auf deren Position, oder den Arm beim Ablesen der Uhrzeit in einem 45-Grad-Winkel zu halten. Der Vorteil: Selbst wenn man sich verliest, kommt man nicht zu spät, weil man eine frühere Uhrzeit als die tatsächliche abliest.

Bedienbarkeit
Bisher haben wir uns mit den Retro-Aspekten dieser Uhr beschäftigt, doch ihre Funktionalität dürfen wir nicht außer Acht lassen. Bemerkenswert ist, dass die Uhrmacher von Longines durch ihre robuste Konstruktion die typischen Probleme von Chronographen mit Monopusher vermieden haben. Ein in die Krone integrierter Monopusher kann die Chronographenmechanik beeinträchtigen, wenn die Krone nach dem Einstellen der Zeit wieder in das Gehäuse gedrückt wird. Da jedoch ein gewisser Druck erforderlich ist, um die Chronographenmechanik auf Null zurückzusetzen, stellt das einfache Drücken der Krone zum Aufziehen kein Problem dar. Die Bedienung der Krone bietet zudem einen unerwarteten Vorteil: Sie verfügt nur über eine Position zum Einstellen der Zeit; eine Position zum Vorspulen des Datums fehlt. Allerdings befindet sich in der Nähe der 7-Uhr-Position am Gehäuse – bei einer typischen Uhr in der Nähe der 8-Uhr-Position – ein Drücker, mit dem das Datum mithilfe eines Stifts, eines kleinen Schraubendrehers oder eines anderen spitzen Werkzeugs vorgespult werden kann.


Diese Funktionen werden vom Kaliber L788.2 angetrieben, das auf dem bewährten ETA Valgrange A08.L11 basiert. Der Chronographenmechanismus verfügt über ein Säulenrad mit vertikaler Kupplung und Schwingritzel. Er ist mit einem automatischen Einhandaufzugswerk ausgestattet, bietet eine Gangreserve von ca. 54 Stunden und eine Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde. Das dezentrale Uhrwerk, das im gleichen Winkel wie das Zifferblatt angebracht ist, verleiht diesem seine charakteristische Neigung. Die Uhr ist mit hochwertigen Verzierungen versehen, deren Schönheit jedoch durch den massiven Edelstahl-Gehäuseboden etwas verdeckt wird. Der Gehäuseboden zeigt ein Flugzeug, umgeben von einem Sonnenschliffmuster, was den Fliegeruhren-Charakter der Uhr unterstreicht. Das Longines-Logo befindet sich auf den Tragflächen. Auch wenn manche den fehlenden Blick auf das Uhrwerk durch den Gehäuseboden bedauern mögen, besitzt er doch eine unbestreitbare historische Bedeutung.

Gurt

Ein schlichtes Kalbslederarmband erscheint angesichts der historischen Authentizität einer Fliegeruhr angemessen. Das braune Alligatorlederarmband, das zu dieser Uhr passt, ist jedoch komfortabel und lässt sich problemlos mit formeller Kleidung kombinieren. Die Kontrastnähte sind, wie bei Fliegeruhren jener Zeit, farblich hervorgehoben. Wäre das Gehäuse beispielsweise 50 mm groß und gebürstet statt der polierten 42 mm, hätte man vielleicht ein passenderes Armband gefunden. Dennoch ist das Alligatorlederarmband insgesamt eine perfekte Wahl. Apropos Preis: Die Longines Avigation Type A-7 1935, Longines' Hommage an die Geschichte der Fliegeruhren, kostet nur 412.000 Yen (ohne MwSt.).

Kontaktinformationen: Longines Tel. 03-6254-7351
