Sehen Sie sich den hilfreichen Chat des Journalisten Yasuto Shibuya über die Uhrenindustrie an

Baselworld – für wen und was?

Text und Fotos von Yasuhito Shibuya


 Werden Smartwatches den Durchbruch schaffen und für jedermann zum Alltag gehören? Ich habe das immer für unmöglich gehalten. Für vielbeschäftigte Menschen sind sie zwar praktisch als Ergänzung zum Smartphone, aber brauchen sie wirklich eine Smartwatch? E-Mails und Social Media checken, telefonieren, im Internet surfen und die Kartenfunktion nutzen – all das ist auf dem großen Smartphone-Bildschirm viel bequemer. Warum also extra eine Smartwatch mit kleinem Display benutzen?

 Doch jetzt, da sich 2018 dem Ende zuneigt, denke ich: „Vielleicht ist es endlich so weit.“ Dieses Gefühl hat sich in diesem Jahr besonders verstärkt. Schon Ende 2019 könnten Menschen, die sich bis dahin nicht für Smartwatches interessiert haben, welche am Handgelenk tragen. Der Grund dafür ist, dass elektronisches Geld, insbesondere Zahlungen per QR-Code und Barcode, in Japan explosionsartig an Bedeutung gewonnen hat. Und ich glaube, dass Smartwatches das bequemste Gerät für diese Zahlungen werden.

Die Apple Watch verfügt bereits über eine elektronische Bezahlfunktion namens Apple Pay, die mit MobileSuica und Kreditkarten verknüpft ist und sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Viele Nutzer schätzen den Komfort an verschiedenen Orten, beispielsweise in Supermärkten. Auch die Smartwatches der vierten Generation verschiedener Hersteller, darunter Fossil, die mit Wear OS by Google ausgestattet sind, verfügen über NFC. Obwohl der Veröffentlichungstermin noch nicht bekannt gegeben wurde, laufen bereits die Vorbereitungen für die Unterstützung von Google Pay, dem elektronischen Bezahldienst von Google, der ähnlich wie Apple Pay genutzt werden kann.

 Convenience-Stores bieten bereits die Möglichkeit an, per Smartphone-App mit Codes zu bezahlen.


Die „10-Milliarden-Yen-Geschenkaktion“ endete 100 Tage nach ihrem Beginn.

 Ein besonders heißes Thema Ende 2018 war PayPay, ein Joint Venture von SoftBank und Yahoo!. Eine am 4. Dezember 2018 gestartete Kampagne bot Nutzern die Chance, 20 % ihrer Einkäufe (bis zu 50.000 Yen) in Form von Punkten zurückzuerhalten, wenn sie PayPay bis Ende März 2019 nutzten oder bis die Gutschrift (Gutschriftspunkte) 10 Milliarden Yen erreicht hatte. Zusätzlich bestand die Möglichkeit, per Zufall bis zu 100.000 Yen geschenkt zu bekommen. Die Anmeldung war dank einer eigenen Smartphone-App kinderleicht: Einfach Bankkonto oder Kreditkarte verknüpfen. Die großzügige Gutschrift führte zu einem regelrechten Ansturm auf den Dienst, bei dem sich immer mehr Menschen für die Gutschrift interessierten. Obwohl die Kampagne von einigen als verzweifelter Versuch in einem hart umkämpften Markt kritisiert wurde, schoss ihre Popularität dank Fernsehwerbung und anderer Maßnahmen in die Höhe. Die Kampagne sollte ursprünglich bis Ende März 2019 laufen, endete aber bereits am 13. Dezember 2018, nur 10 Tage nach ihrem Beginn, als die Rückerstattungssumme 10 Milliarden Yen erreichte.

 Darüber hinaus werden häufig Fernsehspots für „LINE Pay“ ausgestrahlt, das eine Funktion zum Aufteilen von Rechnungen bietet. Gespräche mit Einzelhändlern, die den Dienst bereits eingeführt haben, zeigen, dass der Wettbewerb um die Akzeptanz immer intensiver wird. Unternehmen sind bestrebt, die Anzahl der Nutzer und Standorte zu erhöhen, da sie nach der Etablierung von LINE als Zahlungsmethode mit Sicherheit höhere Umsätze erzielen werden.

 Wenn Smartphone-Apps wie PayPay und LINE Pay auch für Smartwatches verfügbar wären, könnten Code-Zahlungen direkt am Handgelenk durchgeführt werden. Aktuell gibt es solche Apps noch nicht, aber wären sie für Smartwatches mit Touchscreen und Anzeige von Zahlungscodes verfügbar, bräuchte man das Smartphone nicht mehr. Dieser Komfort könnte potenziell auch Nutzer ansprechen, die sich bisher nicht für Smartwatches interessiert haben.

 Ein ähnlicher Service per Smartwatch ließe sich auch für Bonuskarten realisieren. Aus Verbrauchersicht wäre eine solche Funktion in Form eines Armbands für viele Menschen jeden Alters äußerst attraktiv.