In den letzten Jahren haben sich „neue Materialien“ auf dem Uhrenmarkt stark verbreitet. Der Einsatz unkonventioneller Materialien für Gehäuse und Uhrwerk hat nicht nur das Design – etwa Form und Farbe –, sondern auch die Leistung grundlegend verändert. In Ausgabe 112 von Chronos Japan wurde dieses Thema unter dem Titel „Neue Materialien, die die Uhrenwelt verändert haben“ behandelt. Wir veröffentlichen diesen Artikel erneut auf webChronos. Diesmal stellen wir drei führende Uhrenhersteller vor, die mit Strukturfarben neue Zifferblattdesigns kreiert haben.
Fotografien von Takeshi Hoshi (Estrellas), Yu Mitamura
Masamasa Hirota (dieses Magazin): Interview und Schreiben
Text von Masayuki Hirota (Chronos-Japan)
Herausgegeben von Hiroyuki Suzuki
[Artikel erschienen in der Septemberausgabe 2024 von Kronos Japan]
Der ultimative Trumpf für farbenfrohe Zifferblätter
Seit etwa 2015 haben sich Zifferblätter zu einem Genre entwickelt, an dem viele Hersteller arbeiten. Zunächst erfreuten sich polierte Lackzifferblätter großer Beliebtheit, dann folgten Zifferblätter mit Farbverlauf, und in den letzten Jahren sind neuartige Farbkombinationen gefragt. Der Schlüssel dazu liegt nicht in der Beschichtung oder Lackierung, sondern im Versuch, „neue Farben durch Strukturfarben zu erzeugen“.
Die Ausdrucksweise von Wählscheiben entwickelt sich mit neuen Technologien weiter.

Dieses Modell verwendet ein CVD-Verfahren (CVD = CVD = Dünnschichtverfahren) auf dem Zifferblatt. Durch den geschickten Einsatz von Strukturfarben, die ihre Farbe unter Lichteinwirkung verändern, wird ein Farbton erzielt, der dem von Paraiba-Turmalin ähnelt und mit herkömmlichen Beschichtungs- oder Lackierverfahren nur schwer zu erreichen ist. Die dünne Beschichtung eignet sich zudem für Guillochierungen. Automatikaufzug (Kal. C. 6004). 2 Halbschwingungen pro Stunde. Gangreserve ca. 55 Stunden. Edelstahlgehäuse (Durchmesser 42 mm, Dicke 14.5 mm). Wasserdicht bis 10 bar. Limitiert auf 50 Stück. (Anfragen) Eiko Watch Tel. +8800 03-3837-0783
Früher wurden Zifferblätter entweder durch Versilberung oder Lackierung gefärbt. Üblicherweise wurde für Schwarz lackiert und für Silber galvanisiert. Versilberte Zifferblätter bilden eine dünnere Schicht als Lack, wodurch die feine Oberfläche des darunterliegenden Materials durchscheint. Da die Farbe jedoch nicht beständig ist, bevorzugten Hersteller, die mit neuen Farben experimentierten, dickere Lackschichten gegenüber der Versilberung.
Diese Situation änderte sich in den 2010er-Jahren grundlegend. Mit dem zunehmenden Boom bei Luxusuhren und den steigenden Investitionen in die Gestaltung suchten die Hersteller nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten für ihre Zifferblätter. Lackierte Zifferblätter gewannen dadurch an Tiefe, und galvanisierte Zifferblätter boten eine größere Farbvielfalt. Darauf folgte die physikalische Gasphasenabscheidung (PVD). Diese Beschichtung ist dünner als Lack und bietet eine größere Farbauswahl als die Galvanisierung. Obwohl die Farbstabilität früher als instabil galt, haben Verbesserungen in der Farbwiedergabe zu einer breiten Anwendung geführt. Audemars Piguet verwendet blaue PVD-Zifferblätter für einige seiner Royal Oak-Modelle, und auch Omega integriert PVD-Zifferblätter in seine neuesten Modelle. Dasselbe gilt für das leuchtend blaue Zifferblatt der Casio Oceanus. Selbst Rolex setzt bei seinem neuesten eisblauen Zifferblatt auf eine PVD-Beschichtung anstelle einer galvanisierten Variante.


Dieses neue Modell verfügt über eine hauchdünne ALD-Beschichtung auf dem Zifferblatt. Die leuchtende rosa Farbe ist mit herkömmlicher PVD-Beschichtung nicht zu erzielen. Strukturfarben verändern sich je nach Lichteinfall, doch in den letzten Jahren ist es möglich geworden, eine stabile Farbentwicklung zu erreichen. Wie die Fotos zeigen, ist die Verarbeitung hervorragend. Automatikwerk (Kal. 5800). 28 Steine. 2 Halbschwingungen pro Stunde. Gangreserve ca. 50 Stunden. Gehäuse aus 18-karätigem Weißgold (Durchmesser 34 mm, Dicke 8.8 mm). Wasserdicht bis 50 m. (Anfragen) Audemars Piguet Japan Tel. +8800 03-6830-0000
Eine Weiterentwicklung dieses Ansatzes sind die Zifferblätter, die wir in den letzten Jahren gesehen haben. Sie zeichnen sich durch dünne optische Mehrschichtbeschichtungen aus, die mittels CVD-Verfahren (ALD) aufgebracht werden. Obwohl die genauen Details noch nicht vollständig geklärt sind, haben sie gemeinsam, dass extrem dünne optische Schichten übereinander geschichtet werden und deren Strukturfarben zur Farbdarstellung genutzt werden. Das Prinzip ist dasselbe wie bei den Regenbogenfarben in Seifenblasen und CDs, doch die Farberzeugungsmethode unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen Verfahren. Durch das Übereinanderschichten mehrerer dünner Schichten und die Kontrolle ihrer Dicke interferieren verschiedene Wellenlängen des Lichts miteinander und erzeugen so die Farbwirkung. Dadurch lassen sich Farben darstellen, die zuvor noch nie zu sehen waren. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich der Grad der optischen Interferenz mit dem Betrachtungswinkel ändert, wodurch sich die Farbe verändert und dem Zifferblatt Tiefe verliehen wird. Da diese optische Mehrschichtbeschichtung extrem dünn ist, verdeckt sie zudem nicht die darunterliegende Gestaltung des Zifferblatts. Kurz gesagt: Sie ist für hochwertige Uhren konzipiert.
Chronoswiss hat dieses Zifferblatt in den Mittelpunkt gerückt. Die Delphis Paraiba versucht, die Farbe des Paraiba-Turmalins mithilfe einer optischen Mehrschichtbeschichtung nachzubilden. Nicht nur die Farbe ist leuchtend, sondern auch die feine Guillochierung bleibt erhalten. Auch Audemars Piguet verwendet diese Veredelung für seine violetten und rosafarbenen Zifferblätter und kombiniert sie mit einzigartigen Farben. Übrigens gibt es in der Schweiz derzeit mehrere Anbieter, die diese Veredelung durchführen können, und auch Zifferblatthersteller, die den gesamten Prozess von der Zifferblattproduktion bis zur Beschichtung mit der optischen Mehrschichtbeschichtung abdecken.
Japanische Hersteller ziehen nach. Orient Stars neue „M34 F8 Date“ wird ab 2024 mit einer optischen Mehrschichtbeschichtung ausgestattet sein. Seiko Epson, der Hersteller, fertigt seit Kurzem einige Zifferblätter selbst. Dadurch lässt sich die Technologie leichter anwenden. Das Unternehmen ist auf besonders brillante Lackzifferblätter spezialisiert, und die neue optische Mehrschichtbeschichtung gibt ein leuchtendes Blau wieder, ohne die Grundfarbe zu verdecken.


Nach Citizen hat auch Orient Star mit einer eigenen Technologie Strukturfarben realisiert. Das Zifferblatt, gefertigt bei Shinshu Toki no Takumi Kobo mit Seiko Epsons optischer Mehrschichtfilmtechnologie, besteht aus mehreren Schichten nahezu farbloser Nanofilme. Die Farbbrillanz ist herausragend. Automatikaufzug (Kal. F8N64). 22 Steine. 21.600 Halbschwingungen pro Stunde. Gangreserve ca. 60 Stunden. Edelstahlgehäuse (Durchmesser 40 mm, Dicke 12.9 mm). Wasserdicht bis 10 bar. (Anfragen) Orient Kundenservice Tel. 042-847-3380






