Überblick: H. Moser & Cie. Der Unternehmergeist, der in Schaffhausen gepflegt wird [Teil 2]

2017.06.14
Fotos von Yu Mitamura
Interview und Text von Hiroyuki Suzuki

Teil 2: Ewige Einfachheit erben
[Heritage Perpetual Moon]

 Über 95 % der Komponenten von H. Moser stammen aus der Schweiz. Insbesondere die meisten Uhrwerksteile werden in den eigenen Werkstätten in Neuhausen, einer Industriestadt nahe dem Firmensitz Schaffhausen, gefertigt. Mit der Neugründung von H. Moser & Cie. im Jahr 2005 wurden alle in Deutschland ansässigen Präzisionsfertigungsanlagen unter der Leitung von Meylan in den neuen Hauptsitz verlegt. Dieser ist seither sowohl dem Namen nach als auch faktisch der Hauptsitz von H. Moser & Cie. Selbst in der Schweiz gibt es nur wenige Manufakturen, die wichtige Uhrwerksteile wie Hemmungskomponenten und Unruhspiralen herstellen können. Noch weniger sind jene, die auch eigene Uhrenmarken produzieren. Die von H. Moser & Cie. propagierte „Reinheit“ basiert auf diesen technologischen Vorteilen.

 Die äußeren Bauteile, die optisch „Reinheit“ ausdrücken, werden – wie bei vielen anderen Marken auch – in Zusammenarbeit mit erfahrenen Zulieferern gefertigt. Diesmal unternehmen wir einen kurzen Ausflug von der Know-HowZen-Zentrale nach La Chaux-de-Fonds, um diese Zulieferer zu besuchen.

 Neuchâtel, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen Zürich und Genf, ist das Tor zum Jura-Gebirge an der Grenze zu Frankreich. Durch einen langen Tunnel gelangt man in die Berge nach La Chaux-de-Fonds, einer historischen Industriestadt mit schachbrettartigem Stadtplan. Zusammen mit dem benachbarten Le Locle gehört sie aufgrund ihrer „Uhrmacher-Stadtplanung“ zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als die mittelalterliche europäische Klassenherrschaft absolut war, schufen Handwerker spontan ein Uhrmachersystem, das auf „horizontaler Arbeitsteilung und gegenseitiger Zusammenarbeit“ basierte und damit ein ideales Modell für die spätere Entwicklung der Schweizer Uhrenindustrie darstellte. Aus diesem Grund entwickelte sich die Schweizer Luxusuhrenherstellung vor allem durch die Établisseurs.

Guyot Günter fertigt das Gehäuse vollständig durch CNC-Fräsen. Die Präzision des CNC-Fräsens hängt von der Genauigkeit der Voreinstellung ab. Das Unternehmen wendet einen Tag für die Montage und einen weiteren Tag für die Justierung der Werkzeugmaschinen auf. Pro CNC-Bearbeitungszentrum werden etwa 200 Liter Schneidöl umgewälzt.

Ein Kontaktsensor misst den Innendurchmesser des fertigen Gehäuses. Die Messung erfolgt präzise auf 0.01 mm genau. Der Außendurchmesser wird mit etwas geringerer Genauigkeit, aber dennoch mit demselben Gerät gemessen. Das Foto zeigt die Kalibrierung mithilfe einer Metallkugel.


Guyot Gunther ist für die Bearbeitung des Außenrahmens zuständig, bei dem das Guilloche-Muster in die Gehäuseoberfläche eingraviert wird. Ähnlich wie bei der Herstellung von Presswerkzeugen überträgt er das Muster mithilfe einer Senkerodiermaschine von einer Kupferform.

Der letzte Schritt bei der Gehäuseherstellung ist die Montage. Das Gehäuse auf dem Foto wurde poliert und die Gravur an der Seite mit blauem Emaille versehen. Selbstverständlich erfordert die Montage äußerste Sorgfalt.