Interview und Text von Hiroyuki Suzuki
Teil 1: Ein wahres Meisterwerk braucht kein Markenetikett
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Schaffhausen ist eine kleine Stadt im nördlichsten Teil der Deutschschweiz. In der Nähe befindet sich der Rheinfall, einer der größten Wasserfälle Europas, und die Stadt florierte lange als wichtiger Wasserstraßenknotenpunkt. Heinrich Moser, der die scheinbar unerschöpfliche Kraft des Wassers nutzte, um Schaffhausen zu industrialisieren, gründete die Firma H. Moser & Cie.
Auch heute noch findet man in Schaffhausen überall Spuren von Heinrichs Wirken. Sein Geburtshaus (heute ein Friseursalon), in dem er mit seinem Großvater Johannes und seinem Vater Ehrhard lebte – beide waren im Kanton Schaffhausen offiziell anerkannte Uhrmachermeister –, ist erhalten geblieben. Eine Bronzestatue von ihm steht im Moserpark, direkt neben dem IWC-Hauptsitz. Schloss Charlotte, das die Stadt überragt, wurde für seine Frau Charlotte Mayu erbaut (das erste Modell des Unternehmens wurde nach ihr benannt). Obwohl es heute vom Kanton verwaltet wird, beherbergt das zweite Stockwerk ein Museum, das die Leistungen der Familie Moser würdigt und für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Heinrich Moser, geboren 1805, wuchs unter der Anleitung zweier bedeutender Uhrmacher auf. Er begann seine Laufbahn als Uhrmacher in Le Locle, Schweiz, und eröffnete bereits mit 21 Jahren seine eigene Werkstatt. Viele der dort gefertigten Uhren wurden nach Russland exportiert. Bald darauf reiste er selbst nach Russland und gründete in St. Petersburg die Firma H. Moser & Cie. Seine präzise gefertigten Uhrwerke erlangten schnell hohes Ansehen. Auch Fabergé, bekannt für die von den Romanow-Kaisern geschätzten kaiserlichen Ostereier, wählte Uhrwerke von H. Moser für fast alle seine Tischuhren. Nach seiner Rückkehr aus Russland trug er zudem zur Industrialisierung seiner Heimatstadt Schaffhausen bei. Während die Nutzung der Wasserkraft des Rheins heute allgemein bekannt ist, war die Elektrifizierung zu seiner Zeit noch nicht weit verbreitet. Er installierte ein System, das die von Wasserrädern erzeugte Kraft (Rotationskraft) über Leitungen direkt in verschiedene Teile der Stadt übertrug. Der amerikanische Geschäftsmann F. A. Jones, der später in Schaffhausen eine Uhrmacherwerkstatt gründete, wählte Schaffhausen dank Mosers Einfluss ebenfalls als Standort für sein Unternehmen. Aus dieser Firma ging später IWC hervor.

