Erläuterung der Prinzipien, des Nutzens, der Vorteile und der Nachteile des Gangreserveanzeigemechanismus

2019.12.12

Wer ständig eine Automatikuhr trägt, benötigt wahrscheinlich keine Gangreserveanzeige, da die Zugfeder der Uhr bereits voll aufgezogen ist. Trägt man hingegen eine Handaufzugsuhr mit langer Gangreserve, weiß man den Nutzen einer solchen Anzeige sicherlich zu schätzen.
In diesem Spezialbeitrag enthüllen wir den Gangreserveanzeigemechanismus, ein bekanntes Merkmal mechanischer Uhren, dessen Funktionsweise aber erstaunlicherweise wenig bekannt ist. Wir beleuchten sein Antriebsprinzip, seinen Nutzen, seine Vor- und Nachteile und erläutern seine Stärken und Schwächen.

Masamasa Hirota und Michio Kurano: Interview und Text
Text von Masayuki Hirota, Rohan Kurano
[Erstmals veröffentlicht in der Mai-2015-Ausgabe von Kronos Japan]

Gangreserveanzeigen: Eine Einführung

 Eine Gangreserveanzeige zeigt an, wie stark die Zugfeder noch aufgezogen ist. Obwohl dieser Mechanismus gelegentlich bei Taschenuhren zu finden war, führte Patek Philippe ihn als erster Hersteller in großem Umfang bei Armbanduhren ein. Warum ist er also selten bei Armbanduhren anzutreffen? Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen ist er direkt mit dem Federhaus verbunden, sodass eine Fehlfunktion der Gangreserveanzeige zum Stillstand der Uhr führen würde. Zum anderen wäre der Mechanismus selbst zu komplex.

 Der Antriebsmechanismus der Gangreserveanzeige greift in das Federhaus ein, in dem sich die Zugfeder befindet. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Beim Aufziehen der Zugfeder bewegt die Federwelle, an der die Feder befestigt ist, das Gangreserverad und stellt die Gangreserveanzeige auf. Beim Entspannen setzt ein Zahnrad, das mit einem fest im Federhaus befindlichen Zahnrad kämmt, die Gangreserveanzeige zurück. Anders ausgedrückt: Der Gangreserveantrieb benötigt zwei Systeme – eines zum Vor- und eines zum Zurücksetzen der Anzeige. Die Anzahl der Teile steigt, und die Uhr wird quadratisch mit dieser Anzahl empfindlicher.

Patek Philippe

 In Anbetracht dessen wird verständlich, warum Patek Philippe die Gangreserveanzeige als Erster entwickelte. Später schuf Patek Philippe einen Jahreskalender, der fast vollständig aus Zahnrädern bestand. Es dürfte für sie daher keine große Herausforderung gewesen sein, einen Gangreserveanzeigemechanismus zu konstruieren, der ebenfalls mehrere Zahnräder verwendet.

 Anschließend experimentierte Patek Philippe mit verschiedenen Gangreserveanzeigemechanismen, um sowohl die Ablesbarkeit als auch die Platzersparnis zu optimieren. Wahrscheinlich gibt es heute keinen Gangreserveanzeigemechanismus mehr, der nicht von Patek Philippe beeinflusst wurde.

Nautilus Ref. 5712/1A

Nautilus Ref. 5712/1A
Eine Nautilus Petite Complication. Das ultraflache Kaliber 240 verfügt über eine Gangreserveanzeige, Datumsanzeige und Mondphasenanzeige. Um das Uhrwerk flacher zu gestalten, konnten die Funktionsmodule nicht übereinander gestapelt werden und erstrecken sich daher horizontal. Der dadurch benötigte Platz ist ein kleiner Nachteil. Die Reduzierung der Bauteilanzahl ist jedoch typisch für Patek Philippe. Automatik (Kal. 240 PS IRM C LU). Edelstahl (40 mm Durchmesser von 10 bis 4 Uhr). Wasserdicht bis 60 m. 351 Millionen Yen.
Cal.240 PS IRM C LU

Cal.240 PS IRM C LU
Eine Weiterentwicklung des renommierten Kalibers 240. Die Gangreserveanzeige ist geschickt im weißen Bereich auf der Zifferblattseite platziert. Der gesamte Bereich unterhalb der Platine zwischen 9 und 12 Uhr beherbergt jedoch den Gangreservemechanismus. Patek Philippe strebte fortan nach noch kompakteren Gangreservemechanismen. Automatischer Aufzug. 29 Steine. 21.600 Halbschwingungen pro Stunde. Gangreserve von ca. 48 Stunden.
Jahreskalender Ref. 5146

Jahreskalender Ref. 5146
Ein Meilenstein der Uhrmacherkunst. Die Uhr verfügt über einen Jahreskalender mit aufwendiger Zahnradmechanik. Zudem ist es gelungen, die Gangreserveanzeige auf kleinstem Raum bei 12 Uhr unterzubringen. Zumindest in puncto Gangreserveanzeige hat Patek Philippe im Vergleich zum Vorgängermodell große Fortschritte gemacht. Automatikwerk (Kal. 324 S IRM QA LU). 18 Karat Gelbgold (39 mm Durchmesser). Wasserdicht bis 30 m. Preis: 418 Millionen Yen.
Cal.324 S IRM QA LU

Cal.324 S IRM QA LU
Dieses Uhrwerk erweitert das Kaliber 315 (jetzt Kaliber 324) um einen Jahreskalender und eine Gangreserveanzeige. Die Reduzierung der Zwischenräder und die Vereinfachung des Mechanismus sind bei Patek Philippe Standard. Auch diese Uhr bildet hier keine Ausnahme und besticht durch ein extrem kompaktes Uhrwerk mit Planetenradsatz. Sie ist zudem eine praktische Uhr. Automatischer Aufzug. 29 Steine. 28.800 Halbschwingungen pro Stunde. Gangreserve von ca. 48 Stunden.


Kontaktinformationen: Patek Philippe Japan Informationszentrum Tel. 03-3255-8109